Technischer Support



AUDIOTECHNIK ALLGEMEIN

In der professionellen Tontechnik arbeitet man mit der so genannten symmetrischen Leitungsführung bzw. Signalverarbeitung. Was das aber genau ist, wissen viele nicht. Grund genug, das Prinzip zu erläutern.

Brumm- und Störgeräusche

Musiker wollen in erster Linie musizieren.
Schalter gedrückt, Gitarrenkabel eingeklinkt und - dann brummt es gewaltig. Es ist auch nicht ganz einfach darzustellen, wie es zu diesem Brummen kommt, das meistens durch so genannte Masseschleifen verursacht wird. Für Musiker und Roadies ist es wichtig, wenigstens annähernd zu wissen, wie es zu diesen hinderlichen Begleiterscheinung kommt, und was man dagegen tun kann.

Überall in der zivilisierten Welt lauern auf unser reines, unschuldiges Tonsignal gefährliche Störenfriede. Brummende Motoren, Transformatoren, Handys, elektrische Zahnbürsten - kurzum ein ganzes Heer von möglichen Störungen. Auf jedes Kabel wirken heutzutage allerlei Störungen von außen ein. Diese können durch die Ätherwellen kommen in Form von hochfrequenten Radiosignalen, aber auch durch das ganz normale Stromnetz des Hauses, etwa wenn man irgendwo Leuchtröhren oder Dimmer betreibt, oder durch den Netztrafo eines Verstärkers.
Bei PA-Anlagen lassen sich z. T. sehr lange Leitungsverbindungen zwischen Bühne und Mischpult nicht verhindern. Störeinstreuungen, beispielsweise von Beleuchtungskörpern, können von diesen Leitungen aufgenommen werden und machen sich in der Anlage als »Brummen«, »Surren« oder »Knistern« bemerkbar.
Eine wesentliche Ursache für die vielen Probleme liegt auch in der Versorgung der zur Musikanlage gehörenden Komponenten mit der erforderlichen Netzspannung.
Alle aktiven Komponenten vom Effektgerät bis hin zum Instrumentalverstärker benötigen 230 V Betriebsspannung. Wer sich ein Netzkabel einmal angeschaut haben, der weiß, dass es drei Adern hat: Phase = führt die Spannung, Null = ist die Erdung im Kraftwerk, Schutzleiter (PE) = ist im Haus geerdet (Fundamenterder).

Bei den meisten Geräten sind die leitfähigen Teile und Oberflächen sowie der Masseanschluss der Leitung intern direkt mit dem PE-Kontakt und damit mit dem Schutzleiter der Steckdose verbunden. Der Schutzleiter hat die Aufgabe zu schützen, also den Strom abfließen zu lassen, wenn in einem Gerät ein Defekt auftritt und die Phase auf das Gehäuse gelangt. Normalerweise sollte dann eine Sicherung ansprechen.

Das Thema der erforderlichen Netzversorgung berührt leider auch einige gesetzliche Bestimmungen, die wenngleich man doch nur Musik machen möchte, eben nicht von irgendwelchen Beamten willkürlich festgelegt wurden um uns das Leben zu erschweren. Im Gegenteil, es geht im wahrsten Sinn um Leib und Leben!


Die in Deutschland übliche Netzspannung von 230 V; 50 Hz ist, wenn man damit in Berührung kommt, lebensgefährlich. Noch gefährlicher ist der Betrieb von Veranstaltungsanlagen, insbesondere Lichtanlagen die direkt mit dem so genannten Drehstrom (400 V) gespeist werden.


Jeder der Musik macht, möchte sein Können auf öffentlichen Veranstaltungen vortragen. Hierfür braucht es zumeist technisches Equipment. Und hier liegt der Hund begraben. Selbst der Auftritt im Gemeindehaus vor nur 100 - 150 Leuten ist eine öffentliche Veranstaltung.

Hier gelten wieder ein paar Vorschriften und Bestimmungen die nichts weiter im Sinn haben als das geschätzte Publikum und die Akteure auf der Bühne vor Unfällen zu beschützen. Das meiste ist Angelegenheit des Veranstalters, er muss die Fluchtwege offen halten, den Bühnenbau sicher gestalten und die Schnittstellen der Technik zur Verfügung stellen. Und damit sind wir wieder bei der Spannungsversorgung.

Schutzklassen

Alle elektrischen Geräte müssen in Deutschland mit verschiedenen Maß­nahmen ausgestattet sein, die den Benutzer vor einem elektrischen Schlag schützen. Auch im Fehlerfall dürfen keine Spannungen an den berührbaren Gehäuseteilen auftreten. In Deutschland müssen die Schutzklassen I, II oder III erfüllt sein.

Schutzklasse
Bedeutung
Hinweise Symbol
I
Geräte und Leuchten mit Anschlussstelle für Schutzleiter, mit der alle berührbaren Metallteile verbunden sein müssen, die im Fehlerfall unmittelbar Spannung annehmen können.
  Anschluss an Netz­schutzleiter zwingend erforderlich. Das Symbol ist an der Anschlussstelle an­gebracht.  
II
Bei solchen Geräten dürfen keine Metallteile berührbar sein, die im Fehlerfall unmittelbar Spannung annehmen können (Schutzisolierung oder doppelte Isolierung).
  Leuchte darf keinen Schutzleiteranschluss haben und nicht mit Netz-Schutzleiter ver­bunden werden.   
III
Leuchten zum Betreiben mit Schutzkleinspannung (SELV), d.h. mit Spannungen unter 50 V, die ein Sicherheits-transformator nach DIN VDE 0551 (EN60742) erzeugt oder die aus Batterien bzw. Akkumulatoren entnommen werden.
   Das Gerät darf keinen Schutzleiter-anschluss haben
und nicht mit Netz-Schutzleitern verbunden werden.
 

Wenn man sich den Verstärker, das Mischpult oder das Keyboard mal in aller Ruhe betrachtet findet man am Typenschild oder in der Nähe des Kaltgerätesteckers der Netzversorgung etliche Hinweise des Herstellers zu diesem Thema.



Seit einigen Jahren gibt es zudem das CE-Prüfzeichen. Es dokumentiert, dass der Hersteller die allgemeingültigen Regeln der Technik und die EMV-Richtlinien in seiner Produktion einhält. Ohne dieses CE-Prüfzeichen darf kein Gerät in den Verkehr gebracht werden, d. h. verkauft und in Betrieb genommen werden.

Was steckt dahinter?
Zunächst mal keine Behördenwillkür, in diesem Falle ausnahmsweise einmal nicht!
Im Grundsatz ist die auf europäischer Ebene eingeführte EMV-Richtlinie eigentlich ein Gewinn. Wie oben beschrieben ist unsere Umwelt voll von elektro­magnetischen Störungen, nicht zuletzt durch die technische Entwicklung bis hin zu Wireless LAN und zig-tausende von Handys.


EMV heißt Elektromagnetische Verträglichkeit, und die EMV Richtlinie die im Jahre 1992 sogar Gesetzeskraft erlangt hat (EMVG 1992) verpflichtet den Hersteller sein Produkt so herzustellen, dass es gegen elektromagnetische Einflüsse unempfindlich ist. Darüber hinaus hat er in einer Konformitätserklärung die Einhaltung des EMVG und der technischen Regeln (VDE 0100; VDE 0800; etc.) zu bestätigen. Nur dann darf er das Gerät gut sichtbar mit dem CE-Prüfzeichen versehen.

Das ist ja klasse, wenn's jetzt in der Anlage brummt und kracht ist der Hersteller schuld! ...Oder?

Nein natürlich nicht! Der Hersteller haftet nur für sein Gerät und wird in seiner Dokumentation ausdrücklich darauf hinweisen unter welchen Rahmenbedingungen sein Gerät zu arbeiten hat. Schnittstellen, Umgebungstemperatur und sonstige Betriebsbedingungen müssen den Herstellerangaben entsprechen, ansonsten haftet der Betreiber. Und wenn der Hersteller clever ist, und viele sind es, dann führt er sogar Fehlbedienungen auf und warnt uns vor, unter welchen Voraussetzungen es brummt und kracht. Also bleibt der "schwarze Peter" wieder beim Betreiber, beim Nutzer, beim Musiker selbst.

Aber, es steht doch außer Frage, dass man auch mit einem Auto an den Baum fahren kann. Dies versucht man selbstverständlich durch eine den technischen Spezifikationen des Fahrzeugs entsprechende Fahrweise und Bedienung zu verhindern. Zudem haben wir zumindest in der Führerscheinprüfung die Verkehrsregeln gelernt und verhalten uns meistens danach. Wer über die rote Ampel prescht oder mit 100 km/h geblitzt wird, wo nur 60 erlaubt sind, hat die Konsequenzen zu tragen. Im Straßenverkehr wissen wir alle, dass der Haltepunkt am Baum die Konsequenz einer groben Fehlbedienung ist, und der Bußgeldbescheid die Missachtung der gültigen Regeln dokumentiert.

Auf der Bühne gilt dasselbe: Wenn es in der Anlage brummt oder ob wir einen gewischt bekommen, wir haben es mit einer Fehlbedienung zu tun oder einen Regelverstoß begangen. Und ein Stromschlag kann härtere Konsequenzen nach sich ziehen, als 4 Wochen Fahrverbot nach einer roten Ampel.


Wenn man Zweifel hat, ob die oft genutzte Musikanlage elektrisch in Ordnung ist, sollte man unbedingt den Rat einer elektrotechnischen Fachkraft einholen. Die Kosten für einen Elektromeister stehen in keinem Verhältnis zu den Folgekosten eines Stromunfalls in aller Öffentlichkeit. Wer seine Musik gewerbsmäßig ausführt muss die elektrischen Betriebsmittel ohnehin regelmäßig überprüfen lassen!


Diese kurze Ausführung zeigt auf, dass die Übertragungsqualität der Musikanlagen nicht allein vom Markennamen und damit vom Hersteller abhängen. Jedes Mischpult und jede Lautsprecheranlage (PA) arbeitet nur so störungsfrei wie es die Umgebungsbedingungen zulassen. Und da alles verkabelt sein muss, um zu funktionieren, sollte jeder, der sich über Brummen und andere Störgeräusche ärgert, zunächst sein Multicoresystem, die Bühnenverkabelung der Instrumente und die Netzverteilung überprüfen und ggf. nachrüsten.

Ohne Brumm macht die Musik doch viel mehr Spaß!


Wie kommt der Ton zum Lautsprecher, oder...

Die richtige Leitung!

Zunächst fangen wir mal beim Instrument an, bei der Gitarre, beim Bass und dem Keyboard.

Auf der Bühne kommen zur Verbindung zwischen Instrument und Verstärker zumeist einadrige geschirmte Audioleitung zum Einsatz. Einstreuung von Fremdspannungen führen hier schon bei kurzen Leitungslängen zu Störungen. Die Abschirmung in Kabeln besteht aus einem Drahtgeflecht oder einer Folie, die den oder die eigentlichen Leiter vollständig umhüllen. Der Schirm einer Leitung wirkt als Schutz der Tonleitung gegen Störungen, die durch elektrische oder elektromagnetische Felder verursacht werden.
Das Problem ist aber bei einem einadrig abgeschirmten Kabel, dass wir nur eine reine Signalleitung (+) haben, während die (-) Phase mit über die Abschirmung geführt wird. Das geht so lange gut, wie die Störungen gering bleiben. Die Abschirmung ist gleichzeitig die für den Stromkreis notwendige zweite Leitung.


Bei der Übertragung von Audiosignalen über einadrig abgeschirmte Kabel liegt die Grenze einer störungsfreien Übertragung bei nur wenigen Metern.



Die unsymmetrische Leitungsführung

Bei unsymmetrischer Leitungsführung werden einadrige Audiokabel, bestehend aus einem inneren Leiter und einem umhüllenden Drahtgeflecht, verwendet. Die Stecker benötigen nur zwei Kontakte (Phase und Schirm).





Abb. 1: Schematischer Aufbau einer unsymmetrischen Audioleitung

Die Phase, auch gerne "heiß" oder "Hot" genannt, überträgt das Audiosignal von der Quelle zum Verbraucher. Der Schirm dient als Abschirmung und Signalrückführung.

Anwendung:

Unsymmetrische Ausgänge
Unsymmetrische Eingänge
Elektrische Gitarren und Bässe
Keyboards, Verstärker Line Out
Lautsprecheranschlüsse
Aux-Send-Wege (meistens)
Direct-Outs (meistens)
  Instrumentenverstärker
Mischpult Line-Ins (meistens)
D.I.-Boxen
Effektpedale


Da Tonleitungen meistens in verstärkende Eingänge geführt werden, verstärken sich naturgemäß auch vorhandene Störgeräusche. Es ist beispielsweise ungünstig, wenn Tonleitungen direkt neben Netzleitungen liegen. Das elektrische Feld des Netzkabels (230 V / 50 Hz) streut dann in unsere Tonleitung eine 50 Hz-Brummspannung ein, die am Verstärkereingang ordentlich verstärkt wird.

Eine andere Brummursache ist in der Tatsache zu finden, dass jedes Instrumentenkabel wie ein so genanntes R-C-Glied (R = Widerstand, C = Kapazität) wirkt und in einer bestimmten Kombination zur Antenne wird. Das geschieht besonders dann, wenn Instrumentenausgänge nicht mit Verstärkereingängen hinsichtlich des Eingangswiderstandes (Impedanz) zusammenpassen. Da hat sich schon mancher Musiker gewundert, dass er plötzlich Radio Eriwan in seinem Powerturm hatte.

Und schließlich sind in einer Musikeranlage immer eine Vielzahl von Geräten durch Leitungen miteinander verbunden, etwa über ein Mischpult. Bei einadrig abgeschirmten Leitungen werden nun alle vorhandenen Störspannungen über Masse weitergereicht und verstärkt und bilden im Endstadium die allseits "beliebte" Masseschleife.
Um diese Störeinstreuungen zu unterbinden, verwendet man erdfrei­symmetrische Leitungen.


Symmetrische Kabelverbindungen

Bei Symmetrischer Leitungsführung werden zweiadrige Kabel plus Schirm verwendet. Die Signalübertragung verläuft ausschließlich über die beiden inneren Leiter ("hot" und "cold") wobei die Ummantelung nur als Abschirmung dient. Als Stecker kommen hier XLR oder Stereo-Klinkenstecker zum Einsatz.



Abb. 2 Schematischer Aufbau einer symmetrischen Audioleitung


Anwendung:

Symmetrische Ausgänge
Symmetrische Eingänge
DI-Boxen
Bühnenmikrofone
Mischpult L/R Summen Outs
Mischpult-Subgruppen
Mischpult-Matrix
Mischpult-Monitorwege
Aux-Wege
  IMischpult XLR Inputs
Mischpult Line-Ins
Mischpult-Returns
Mikrofon-Vorverstärker
Effektgeräte


Symmetrische Leitungen sind sehr sicher gegen elektromagnetische Einstreuungen und Brummschleifen, auch bei längeren Wegstrecken.



Abb. 3 Aufbau einer symmetrischen Audioleitung

Symmetrische Leitungen besitzen neben der Abschirmung (1) zwei Leiter (Bild b). Das Signal fließt unabhängig von der Abschirmung bzw. der Erdung. Störungen in der Erdleitung gelangen nicht in den Signalweg, daher auch die Bezeichnung erdfrei. Die beiden Leiter sind gegenphasig geschaltet.

Das heißt: Das Signal in beiden Leitungen besitzt eine um 180 Grad gedrehte Phasenlage. Durch diese entgegengesetzte Phasenlage löschen sich gleichphasige von außen auf das Kabel einwirkende elektromagnetische Störsignale gegenseitig aus.

Für die erdfrei-symmetrische Übertragung ist es allerdings notwendig, dass die Ein- und Ausgänge der angeschlossenen Geräte auch symmetrisch ausgelegt sind. Dies kann elektronisch erfolgen, d. h. durch symmetrische Eingangsverstärker die über eine erforderliche Gleichtaktunterdrückung verfügen bzw. Ausgangsverstärker die hinsichtlich der Unsymmetrie der Ausgangsspannung (a-Ader zu b-Ader) optimiert sind.

Man kann heutzutage davon ausgehen, dass elektronisch symmetrische Ein- und Ausgänge hinsichtlich der Übertragungsparameter Frequenzgang, Klirrfaktor, Gleichtaktunterdrückung und Übersteuerungsfestigkeit die meisten NF-Übertrager übertreffen. Dennoch ist es oftmals erforderlich die symmetrische Leitung erdfrei anzuschließen.

Eine echte erdfrei-symmetrische Leitungsführung erreicht man nur durch den Einsatz von Tonübertragern. Diese Transformatoren sind für die Übertragung von NF-Signalen optimiert, doch wenngleich es auf dem Markt ein weit­gefächertes Angebot gibt, viele Übertrager sorgen lediglich für die Erdfreiheit.
Wer echte Übertragungsqualität bei größtmöglicher Gleichtaktunterdrückung möchte, ist hier auf Ringkernübertrager angewiesen.

Die Mikrofonleitungen zum Mischpult, die nur ganz geringe Spannungspegel führen (im Millivoltbereich) sind äußerst empfindlich gegen Störeinstrahlungen. Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, daß sie immer erdfrei-symmetrisch ausgeführt sind.
Bei den Rückleitungen vom Mischpult zu den Endstufen ist die Gefahr der Störeinstreuungen nicht ganz so hoch, weil die Signalspannungen hier doch mehrere Volt betragen können. Es ist deshalb auch nicht unbedingt eine erdfrei-symmetrische Leitungsführung erforderlich.

Soll jedoch das Risiko der Störeinstreuungen gänzlich ausgeschlossen werden, ist dies nur mit einer erdfrei-symmetrischen Auslegung aller Leitungsführungen zu erreichen.


Literaturhinweise:

Kiefer, G.

VDE 0100 und die Praxis

Wegweiser für Anfänger und Profis
11. veränderte Auflage 2003, 852 Seiten, DIN A5, gebunden
ISBN 3-8007-2744-7
36,00 EUR

Rolle, H. (Hrsg.)

Sicherheit in der Fernmelde- und Informationstechnik

VDE-Schriftenreihe - Normen verständlich Band 54
Kommentare zu DIN VDE 0800 und 0804
1991, 255 Seiten, DIN A5, kartoniert
ISBN 3-8007-1716-6
14,30 EUR

Hennig, W. / Rosenberg, W.

VDE-Prüfung nach BGV A3 und BetrSichV

Erläuterungen zu DIN VDE 0100 Teile 410, 430, ...
7. akt. Auflage 2005, 404 Seiten, DIN A5, kartoniert
28,00 EUR


Multicore-Systeme

In der professionellen Veranstaltungstechnik kommen zwischen der Bühne und den erforderlichen Mischpulten zur Tonverarbeitung Multicoreleitungen zum Einsatz. Diese Leitungen fassen mehrere Tonaderleitungen, paarig verseilt und geschirmt, in einer gemeinsamen Isolationshülle zusammen. Die Beschaffenheit des Kabels ist für den harten Road-Betrieb ausgelegt.
Aufgrund der individuellen Verlegung je nach Veranstaltungsort und Bühnenbau muss es flexibel und torsionsfrei sein. Egal ob beim Sommer Open-Air die Sonne das Kabel auf 50 °C aufheizt oder es im Winter im Truck auf -20 °C abgekühlt wird, diese Eigenschaften sollten erhalten bleiben. Natürlich sollte es auch zug- und trittfest sein.
Das Kabel ist für die Übertragung von Audiosignalen spezifiziert. Hierbei sollen Tonsignale in einem breiten Pegelspektrum störungsfrei übertragen werden. Das Pegelspektrum richtet sich nach der angeschlossenen Tonquelle.


Signalquellen am Multicore:

Dynamische Mikrofone liefern bei einer Quellimpedanz von 200 Ohm einen Pegel von ca. -50 dBu bis ca. -35 dBu, je nach Schalldruck des aufzunehmenden Instruments oder der Vocalstimme.

Kondensatormikrofone haben einen eingebauten Verstärker, insofern liegt der Übertragungspegel bei ca. -40 dBu bis -30 dBu je nach Schalldruck. Hierbei muss über das Multicore auch die vom Mischpult gelieferte Phatomspeisung, 48 VDC des Verstärkers mit übertragen. Hierfür ist auf eine ordnungsgemäße Masseführung zu achten.

DI-Boxen dienen im Bühnenbetrieb als Schnittstelle zwischen hochpegeligen LINEAusgängen von z.B. Keyboards oder Instrumentalverstärkern. Vorzugsweise sollten hier Systeme mit eingebautem Übertrager verwendet werden, dies verhindert Brummschleifen. Je nach Quelle liefern DI-Boxen einen Pegel von ca. -40 dBu bis zu -20 dBu. Hierbei sollte man immer beachten, dass der Pegel vom Übertrager heruntertransformiert werden sollte, damit die Pegeldifferenzen zwischen den einzelnen Tonaderpaaren nicht zu groß werden. Dies verhindert insbesondere im Multicoresteckverbinder störende Nebensprecheffekte.

LINE- Pegelausgänge liegen im hochpegeligen Bereich, d.h. nominal ist hier immer mit einem Pegel um die +4 dBu und je nach Sorgfalt der Aussteuerung bis hin zu +12 dBu bei kurzzeitigen Spitzen (Transienten) zu rechnen

Nebensprechen/Übersprechen
Dieses Phänomen kennt jeder Tontechniker, ich schalte meinen Kopfhörer per PFL auf einen Mischpultkanal, der eigentlich nur das LINE-Signal des Synthesizers übertragen soll, und höre im Hintergrund noch ganz andere Sachen mit.
Natürlich kann ein akustisches Nebensprechen je nach Menge und Aufstellungsort der Mikrofone auf der Bühne nicht vermieden werden. Als Konsequenz dieses Wissens verwendet man z. T. immer weniger Mikrofone und ersetzt diese durch DI-Boxen.
Es gibt aber neben dem akustischen auch das statische bzw. induktive Nebensprechen, dass erst im Mischpult zum tragen kommt. Ursache hierfür sind verschiedene Faktoren die, sofern sie im Vorfeld bedacht werden, zwar ein Nebensprechen nicht völlig ausschließen aber zumindest auf ein Mindestmaß beschränken helfen.


Zunächst einmal: Innerhalb eines Multicore-Kabels mit der Spezifikation:

- paarig verseilt und geschirmt -

ist ein Nebensprecheffekt zwar nicht 100%ig ausgeschlossen, aber bei konsequenter symmetrischer Beschaltung zwischen Quelle und Mischpult kaum zu erwarten. Mischpulte haben je nach Hersteller und Preisklasse Nebensprechdämpfungen von max. 90 dB zwischen einzelnen Kanälen (bei 1 kHz und nom. Pegel)

Besser muss das Multicoresystem nicht sein, aber man sollte auch darauf achten, dass es nicht schlechter wird.

Das Nadelöhr ist der Steckverbinder am Ende des Multicoresystems:


Bild 01: 72pol-Verbinder; Crimpcontakte


Wie im Bild zu erkennen besteht das Gehäuse der Steckverbinder aus Kunststoffmaterial. Jede Ader der Einzelleitungen im Multicore wird auf einen Buchsenkontakt oder einen Steckkontakt gecrimpt. Diese Kontakte werden dann in die Führungslöcher des Kunststoffgehäuses eingeführt und verriegelt. Durch den achsensymmetrischen Aufbau ergibt sich physikalisch der Sachverhalt, dass die Kontakte zwar durch den Kunststoffkörper voneinander isoliert sind, aber gleichzeitig bildet sich ein mehrfacher Kondensator. Es ist zunächst völlig egal, wie wir die Einzeladern positionieren, theoretisch geschieht dasselbe, als wenn wir die einzelnen Adern alle mit kleinen Kondensatoren miteinander vermaschen.

Das klingt zunächst dramatisch, ist aber im praktischen Betrieb nur dann ein Problem, wenn wir, wie oben beschrieben, die Pegeldifferenzen der einzelnen Leitungen zu groß werden lassen. Durch den geometrischen Aufbau sind die Kapazitätswerte der einzelnen Kondensatoren annähernd gleich, sie liegen je nach Frequenz nur bei einigen Pikofarad.
Wir haben gelernt, dass ein Kondensator für Gleichspannung undurchlässig ist und sein kapazitiver Blindwiderstand bei steigender Frequenz abnimmt. Allerdings werden innerhalb unserer Steckverbinder bei einer Frequenz von 1 kHz ausreichende Nebensprechdämpfungen erreicht, die wesentlich besser sind als bei den meisten Mischpulten.
Auch die mechanische Konfektionierung des Multicoresteckverbinders kann bei schlechter Ausführung zu erheblichen Nebensprecheffekten führen.

Unsere Belegungspläne finden Sie hier


Die Leitungsschirme - zentral vermascht oder getrennt ausgeführt?

Allein schon aus Gründen der Optimierung der Nebensprechdämpfung ist einer getrennten Masseführung der Vorzug einzuräumen.

Die Multicoreleitung ist im übertragenen Sinne ein Verlängerungskabel für symmetrische Tonleitungen, das die Tonquellen auf der Bühne mit den Eingängen des Mischpultes im Saal verbinden soll. Jede einzelne Tonleitung im Multicore ist im Aufbau paarig verseilt und geschirmt und verfügt über einen eigenen Isolationsmantel.


Schon deshalb erscheint es logisch und vernünftig diesen Vorteil auf der Verlängerung vom Steckverbinder auf der Bühne über das Multicore bis zum Steckverbinder am Mischpult beizubehalten.


Ein weiteres Argument ergibt sich aus dem Massepotential, das heißt dem Punkt im System an dem der oder die Schirme mit Masse und damit zwangsläufig mit dem PE-Potential des Niederspannungsnetzes der Veranstaltungsstätte verbunden sind.

Grundsätzlich sollte das der Eingang des Mischpultes sein. Das ist der zentrale Punkt an dem alle Schirme des Multicore Systems ohnehin zwangsläufig miteinander vermascht sind. Hier liegt zentral jeder Schirmanschluss, zunächst einmal unabhängig ob am XLR oder der Klinke auf dem 0 V = Massepotential der internen Spannungsversorgung und damit auf PE-Potential.

Nur Pulte im Einsatz der Rundfunkanstalten und der höchsten Preisklasse verfügen über die Möglichkeit einer unabhängigen Technischen Erde ( FPE), die allerdings auch über den Potentialerder des Hauses PE-Potential führt.

Bei konsequenter symmetrischer Leitungsführung mit getrennter, d. h. mit der Einzelleitung geführtem Schirm entspricht die XLR-Eingangsbuchse an der Stagebox exakt dem Mischpulteingang mit der sie verbunden ist. Wird hier ein Kondensatormikrofon angeschlossen und die Phantomspeisung für diesen Kanal aktiviert, dann fließt der Betriebsstrom des Mikrofons nur über diesen Kanal.

Noch größere Vorteile hat die getrennte Schirmführung beim Anschluss netzbetriebener Tonquellen. In den meisten Fällen kann man davon ausgehen dass im Saal, dort wo das Mischpult steht, das PE-Potential an der Schukosteckdose nicht exakt dem Potential des PE-Potentials an der Schukosteckdose auf der Bühne entspricht.

Wird jetzt ein netzbetriebenes Gerät mit seinem Ausgang an die Stagebox angeschlossen dann kann es über den Schirm der Audioleitung zu Ausgleichsströmen kommen, wir haben die klassische Brummschleife. Bei getrennt geführtem Schirm betrifft dies aber zumeist nur diesen einen Kanal. Die Fehlersuche gestaltet sich relativ einfach und eine zwischengeschaltete DI-Box mit GND-Lift (Pin1 XLR getrennt) beseitigt das Problem.

Sind allerdings an der Stagebox oder im Steckverbinder alle Schirme vernetzt und es werden mehrere netzbetriebene Quellen angeschlossen, dann kann sich das Brummen vielfältig potenzieren. So fließen zuletzt ja nicht nur Potentialausgleichsströme über das Pult ab, sondern sie fließen über den Schirm auch zwischen den angeschlossenen Geräten.


Ein Hilfsmittel hat sich unter "Bühnenpraktikern" herumgesprochen, dass gefährlich ist. Häufig wird an Geräten oder Netzkabeln der Schutzleiter der Stromversorgung abgeklebt oder abgeklemmt. Das mag vielleicht zum Erfolg führen, ist aber gleichwohl lebensgefährlich.


Auch das Argument, wonach eine Vermaschung der Schirme Kosten spart, weil ja nur die a-Ader und die b-Ader einer Leitung gecrimpt werden müssen und mehr Tonleitungen je Steckverbinder genutzt werden können ist ein vielfach verbreiteter Irrtum. Es ist nicht der Stecker, es ist nicht das Kabel und es sind nicht die Crimpkontakte, die hier Kosten erzeugen, es ist der Faktor Mensch, der ja all die Schirme verdrillen, verlöten und zusammengefasst anschließen muss.

Oft legt man dann die Schirme auf den PE-Anschluss des Steckverbinders, wohin auch sonst. Nur, auch hier vergisst man wieder den Sicherheitsaspekt. Der Anschluss am Stecker ist als CHASSIS = PE-Anschluss vom Hersteller gekennzeichnet. Das Steckergehäuse ist leitfähig und muss damit gemäß VDE 0100 auf PE Potential liegen. Alles andere ist leider verboten, und man sollte sich daran halten. Schirme haben an diesem Anschluss zunächst nichts verloren.

Der Aufbau von Stagebox- und Multicore Systemen muss nicht nur unter dem Gesichtspunkt der reinen Signalübertragung gesehen werden. Das gilt gerade für die vielen Amateur- und Freizeitmusiker, die sich die Freude an der öffentlichen Darbietung Ihres Könnens oft durch die - so genannte Scheißtechnik - verderben lassen. Hier geht es um den harten Live-Betrieb der eben nicht erlaubt, stundenlang nach Fehlern zu suchen, die man bei sorgfältiger Planung und dem Aufwand von ein paar EURO mehr, locker vermeiden könnte.

Keiner kann alles wissen...



Literaturhinweise - Allgemeine Grundlagen:

Friedrich Tabellenbuch

Mitarbeiter: Antonius; Begründer: Friedrich; Herausgeber: Lipsmeier
Erschienen bei: BILDUNGSVERLAG E1NS
Erscheinungstermin: 08.2005
Einband: gebunden; Zahlr. Zeichn. und Tab.
ISBN: 3-427-53101-5


Literaturhinweise - zur Audiotechnik:

Handbuch der Tonstudiotechnik - Band 1
von Michael Dickreiter

Das Standardwerk der professionellen Audiotechnik bietet für alle an der Materie Interessierten eine Einführung in das Thema, eignet sich aber ebenso als Nachschlagewerk für den Profi, den Musiker, den HiFi-Fan oder den Fachhändler.
Band 1 fasst das für prof. Aufnahmen grundlegend erforderliche Wissen über Mikrofone und Lautsprecher sowie Aufnahmetechniken und Klanggestaltung zusammen.
Preis: 29,80 EUR

Handbuch der Tonstudiotechnik - Band 2

Band 2 befaßt sich mit den Geräten und Anlagen der Tonstudiotechnik.
Preis: 29,80 EUR
Handbuch der Tonstudiotechnik

Digitales und analoges Recording bei Fernsehen, Film und Rundfunk
ISBN: 3-7723-5528-5
Preis: 99,95 EUR
Das P.A. Handbuch
von Frank Pieper

Dieses Handbuch behandelt alle Aspekte der Beschallungstechnik ausführlich, leicht verständlich und praxisbezogen.
Preis: 26,90 EUR
Das Effekte Praxisbuch
von Frank Pieper

Dieses Praxisbuch behandelt alle gängigen Effekte vom Chorus über den Exciter bis zum Noisegate. Technische Realisation, detaillierte, praktische Tips und relevante Parameter und Funktionen werden erklärt. Alle Effekte werden auf der beiliegenden CD beispielhaft demonstriert.
Preis: 26,90 EUR



Literaturhinweise - zur Videotechnik:

Handbuch der Film- und Videotechnik

Das Handbuch der Film- und Videotechnik von Johannes Webers ist seit Jahren das Standardwerk für Studio und Labor.
ISBN: 3-7723-7117-5
Preis: 69,95 EUR